Der Katastrophenwinter 2025/26
Dieser Winter ist ein Sittengemälde von Deutschland im 21. Jahrhundert:
Im Raum Hannover fallen 20 cm Schnee. Schon mit Bekanntwerden des Wetterberichts wird der Zug- und Busverkehr in Norddeutschland teilweise eingestellt. Dann wird es in ganz Deutschland kurzzeitig saukalt. Als die Temperaturen wieder über 0° steigen und Regen kommen soll, droht die nächste Gefahr: Glatteis, wenn Wasser auf gefrorenen Boden trifft. Sofort ordnen dann mehrere Bundesländer flächendeckend den Entfall des Schulunterrichts bzw. „Distanzunterricht“ an. Wir kennen das Muster von Corona: Droht Gefahr, ziehen Politik und Verwaltung jedem Bürger persönlich die Zugbrücke hoch.
Weil möglicherweise Schnee fällt, stellen wir den Zugverkehr ein. Was sollen eigentlich Leute machen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind? Auch vorsoglich das Arbeiten einstellen? Außerdem, wir reden hier von 20 cm; wir müssen mal über unsere Maßstäbe nachdenken. Hier zum Vergleich ein Bericht von 1961.
Weil möglicherweise Glatteis entsteht, fällt überall die Schule aus. Fällt für die Eltern auch die Arbeit aus? Wieso mutet man wegen einer möglichen Gefahr den Eltern zu, über Nacht kurzfristig die Betreuung ihrer Kinder zur Schulzeit zu regeln? Können die Eltern nicht am nächsten Morgen selbst und nach örtlicher Lage entscheiden, ob ihrem Kind der Schulweg zugemutet werden kann? Vor allem aber: Diese Kinder werden nie verstehen, wenn sie selbst später einmal arbeiten, dass sie sich auch bei unangenehmem Wetter selbständig kümmern müssen, pünktlich zur Arbeit erscheinen, und auch eigenverantwortlich entscheiden können müssen, bei welchen tatsächlichen Gefahren genau das nicht geht.
Die Leute, die vom Schreibtisch aus solche Entscheidungen treffen, muss man mal folgendes Fragen: Wie soll eigentlich künftig der Räumdienst funktionieren, wenn dessen Mitarbeiter bei Eis und Schnee nicht mehr zur Arbeit erscheinen?